Medizin-Studentin ist Landärztin auf Probe in Kirtorf

Google hat mitgeholfen. Die Internet-Suchmaschine führte Cecilia Kowollik zur Homepage der Hausärztepraxis Gleen-Felda. Die Medizin-Studentin war auf der Suche nach einem Praktikum.

Google hat in diesem Fall mitgeholfen. Die Internet-Suchmaschine führte Cecilia Kowollik nämlich zur Homepage der Hausärztepraxis Gleen-Felda. Die Medizin-Studentin war auf der Suche nach einem Praktikum, das sie im Rahmen ihres Studiums absolvieren muss. Bewusst habe sie nach einer Praxis im ländlichen Raum gesucht. Und so landete die angehende Ärztin in Kirtorf beziehungsweise in Nieder-Gemünden. Denn an beiden Standorten begleitet die 24-Jährige die insgesamt vier Ärzte, um einen Einblick in den Berufsalltag in einer Landarztpraxis zu erhalten.

"Ich fand die Idee interessant, die Abläufe kennenzulernen. Ich hatte Lust, auf das Land zu gehen", schildert die Studentin ihre Beweggründe. Völlig neu war ihr das Leben in einer ländlich geprägten Region gleichwohl nicht. Sie stammt selbst aus einer Kleinstadt. Genauer gesagt aus Bad Fallingbostel. Das liegt in der südlichen Lüneburger Heide und hat rund 11 000 Einwohner. "Kirtorf ist aber noch mal ein Stück ländlicher", erzählt die junge Frau mit einem Lächeln. Um das Vogelsberger-Paket komplett zu machen, hat sie in den vergangenen zwei Wochen in Maulbach gelebt. Bei Michael Buff. Er ist einer der vier Ärzte der Gemeinschaftspraxis. Die vorhandene Unterkunft soll potenziellen Praktikumskandidaten die Entscheidung zu erleichtern, sich für eine Stelle auf dem Land zu entscheiden. "Denn Lehrpraxen gibt es ja auch in Marburg", erzählt Buff. Die Schlossstadt ist der Studienort von Kowollik. Gleichzeitig besteht zwischen der Philipps Universität und dem Vogelsbergkreis eine Kooperation unter dem Slogan "Landpartie Vogelsberg". So können Studenten ihr Blockpraktikum Allgemeinmedizin in Lehrpraxen im Vogelsbergkreis durchführen. "Der Kreis fördert das", meint Buff. Entweder biete die Praxis eine private Unterkunft oder der Kreis organisiert eine Bleibe und übernehme die Übernachtungskosten.

Für Kowollik waren die vergangenen 14 Tage sehr lehrreich. "Ich habe an Visiten teilgenommen, habe Patienten untersuchen können, also selbst die Anamnese gemacht", erläutert die junge Frau. Auch bei Hausbesuchen war sie dabei. Da lernte sie den Vogelsberg kennen. "Es waren teilweise schon recht lange Anfahrtwege", berichtet sie. Land halt eben. Abgeschreckt hätten sie diese Eindrücke aber keinesfalls. Im Gegenteil. "Die Arbeit in der Gemeinschaftspraxis hat mir gut gefallen", erläutert sie. Verschiedene Ärzte hätten eben zuweilen verschiedene Herangehensweisen. "Die Ansprache der Patienten", nennt sie einen Unterschied. Eben aus dieser Erfahrung der Ärzte könne sie viel ziehen, sagt Kowollik, die sich im zehnten Semester befindet. Dabei seien es nicht nur die medizinischen, sondern auch die organisatorischen Aspekte gewesen, die aufschlussreich gewesen seien. "Es gehört bei einem niedergelassenen Arzt mehr dazu als nur die Behandlung der Patienten", weiß die angehende Ärztin. Personalführung, der betriebswirtschaftliche Teil, das könne durchaus den einen oder anderen abhalten, meint die 24-Jährige. Sie selbst sehe sich aber langfristig genau in dieser Schiene. "Eigentlich ist mein Ziel nach der Facharzt-Ausbildung eine Niederlassung." Wo und wie das sein wird, ist allerdings noch nicht klar, und angesichts von etwa fünf Jahren Facharzt-Ausbildung eher Zukunftsmusik. "Für eine eigene Praxis muss man auch der Typ sein", sagt Kowollik.

Durch Michael Buff und seinen Kollegen der Gemeinschaftspraxis hat sie zumindest einen Einblick in die "Lebenswirklichkeit" eines Landarztes erhalten. "Die Studenten sollen in diesem Praktikum sehen: die Arbeit hier macht Spaß, ist interessant und gleichzeitig anspruchsvoll", erläutert Buff. Wichtig sei dies auch im Hinblick auf den Beruf Landarzt. "Diese Praktika sind ein Baustein, um das schlechte und nicht gerechtfertigte Image zu verbessern", unterstreicht Buff. Das, was die Studenten in der Gemeinschaftspraxis erleben, tragen sie zurück in die Universität beziehungsweise zu ihren Kommilitonen. Und das sei ein bedeutender Teil, um Werbung für den ländlichen Raum zu machen. Buff und seine Kollegen unterstützen das "Landpartie-Programm" als Lehrpraxis schon seit 2014. "Etwa 15 bis 20 Studenten waren in dieser Zeit bei uns, alleine fünf in diesem Jahr", sagt Michael Buff bei der Durchsicht seiner Unterlagen. Bei dieser Zahl soll es aber nicht bleiben.

Oberhessische Zeitung - Benjamin Gössl