Weil es richtig ist

Er lebt und arbeitet mitten im Vogelsberg und ist ein Kämpfer für seinen Traumberuf", kündigt das hr-fernsehen auf seiner Webseite einen Film mit einem Vogelsberger Landarzt an.

"Er lebt und arbeitet mitten im Vogelsberg und ist ein Kämpfer für seinen Traumberuf", kündigt das hr-fernsehen auf seiner Webseite einen Film mit einem Vogelsberger Landarzt an. Die Rede ist von dem Allgemeinmediziner Michael Buff (50) von der Hausärztepraxis Gleen-Felda in Kirtorf und Gemünden, der sich engagiert für die Nachwuchsförderung in seinem Beruf einsetzt. Ausgestrahlt wird der laut hr-Programm halbstündige Beitrag mit dem Titel "Unterwegs mit dem Landarzt" von Gabi Delingat am Donnerstag um 17.30 Uhr.

Herr Buff, Sie sind am Donnerstag im Fernsehen zu sehen ...

(Lacht.) Eigentlich mag ich das nicht, aber es ist wichtig, an die Öffentlichkeit zu treten. Der Hausarztberuf hat so viele schöne Seiten. Er wird jedoch häufig kaputtgeredet. Natürlich gibt es auch viele Schwierigkeiten - zum Beispiel drohende Regresse - aber in welchem Beruf gibt es die nicht? Der Hausarztberuf ist ein schöner, interessanter und dankbarer Beruf.

Wie ist es dazu gekommen, dass der hr einen Film über Sie gemacht hat?

Der Hessische Rundfunk ist auf mich zugekommen und hat gefragt, ob wir über das Landarztsein und die Nachwuchsförderung einen Betrag machen können.

Worum geht es in dem Film und was ist seine Botschaft?

Ich habe ihn selber noch nicht gesehen. Es geht um die hausärztliche Tätigkeit mit ihrem riesigen Feld an möglichen Diagnosen. Es geht um Hausbesuche, und es geht auch um das Private. Der hr hat mich auch auf meinem Bauernhof in Maulbach besucht. Ein Medizinstudent der Uni Marburg war die ganze Zeit dabei. Während seines gesamten Studiums hat er Kontakt zu unserer Praxis und ist immer wieder vor Ort, um mich und meine Kollegen bei unserer Arbeit zu begleiten.

Was haben Ihre Bemühungen in Sachen "Nachwuchsförderung" für die Hausarztversorgung bislang gebracht?

Ich glaube, dass man keine kurzfristigen Erfolge sehen kann. Es geht um eine längerfristige Stabilisierung der Hausarztmedizin.

Wie motivieren Sie Studenten, zu Ihnen aufs Land zu kommen und bei Ihnen mitzuarbeiten?

Wir sind eine akademische Lehrarztpraxis der Philipps-Universität Marburg. Das heißt: Zu uns kommen regelmäßig Blockpraktikumsstudenten, die die Uni vermittelt. Oft wohnen diese für zwei Wochen bei mir zu Hause. Die Studenten werden von mir im täglichen Leben und Arbeiten mitgenommen. Und noch nie ist einer von ihnen unzufrieden gegangen. Sie finden das toll.
Im Jahr 2016 wurde unsere Praxis das Blaue Band der Lehre von der Uni Marburg für besondere Leistungen in der Studentischen Lehre verliehen. Die Studenten haben das Praktikum bei uns bewertet.

Ist einer der Studenten bereits geblieben (oder zurückgekehrt)?

Nein, sie sind noch alle in der Weiterbildung, ich habe aber zum Teil noch Kontakt. Frühestens in drei Jahren könnte einer von ihnen bei uns anfangen. Aber es ist durchaus denkbar, dass einer von unseren Blockpraktikumsstudenten bei uns als Arzt in Weiterbildung anfängt.

Ein Blockpraktikum während des Studiums ist vorgeschrieben. Man muss als Student zwei Wochen lang in einer Hausarztpraxis mitarbeiten. Im Vogelsberg wird dieses Praktikum finanziell durch den Landkreis gefördert.

Warum setzen Sie sich für Ihren Berufsstand, die Landärzte, so ein?

Das sind zwei Dinge. Das erste ist, um zu zeigen, wie schön der Beruf wirklich ist. Ihn aus seinem unberechtigten Schattendasein in der komplexen Welt der Medizin herauszuholen.
Der Beruf ist so schön, weil das eine Arbeit ist, in der man viele verschiedene Dinge sieht und Menschen ganzheitlich betreuen kann. Wir Hausärzte haben eine persönliche Bindung zu unseren Patienten.

Das zweite: Wichtig ist, dass junge Kolleginnen und Kollegen diesen Beruf ergreifen. Denn nur, wenn wir genügend Hausärzte sind, haben wir die Zeit und Kraft, gute ganzheitliche Medizin zu leisten und ein gesundes Privatleben zu führen.

Mit welchen Problemen müssen Sie sich als Landarzt täglich auseinandersetzen?

Das sind verschiedene Probleme. Zum Beispiel die Regressforderungen. Wir haften mit unserem Privatvermögen dafür, dass wir Vorgaben der Kassenärztlichen Vereinigung umsetzen. Und das ist sehr belastend. Dieses Problem muss unbedingt politisch zeitnah gelöst werden.

Forderungen zum Beispiel sind, wenn wir zu viele Medikamente oder Krankengymnastik verordnen. Oder wenn wir überdurchschnittlich viele Leistungen erbringen, zum Beispiel mehr Hausbesuche als das statistische Mittel aller Hausärzte.

In der Ankündigung zum hr-Film heißt es, dass Sie Ihre älteren und chronisch kranken Patienten auch in deren Wohnzimmern versorgen. Rechnen sich diese Hausbesuche für Sie?
Nein, das ist ein Zuschussgeschäft. Aber wir machen das, weil es wichtig und weil es richtig ist. Wenn jemand aus gesundheitlichen Gründen nicht in die Praxis kommen kann, hat er auch ein Anrecht auf ärztliche Versorgung. Das ist ebenso eine unserer Aufgaben.

Was fordern Sie von der Politik?

Wir brauchen eine stabile Arbeitsgrundlage, mit wenig Verwaltung, kalkulierbaren Einkommen und ohne Angst haben zu müssen, Summen für Medikamente, Krankengymnastik oder Honorarregresse aus eigener Tasche zurückzahlen zu müssen.

Oberhessische Zeitung - Kirtorf/Gemünden (cl)